Es ist noch keine drei Monate her, seit ein paar Karikaturen über Mohammed die halbe islamische Welt quasi durchdrehen ließ. Der Mob ging in Dutzenden Städten auf die Straße, ausländische Botschaften wurden angezündet oder gestürmt.
Die Medien hierzulande nahmen die Streitigkeiten gerne auf, heizten die Stimmung teilweise sogar noch künstlich an.
Und in allen Gesprächen, die via Talkshow so über die bundesdeutschen Mattscheiben flimmerten, war mindestens ein Gast dabei, welcher tadelnd den Muslimen per se vorwarf, nicht des Bekenntnisses zu einem laizistischen Staat fähig zu sein. Religion als Privatsache, daß sei in Deutschland nunmal so, und daran hätten sich die Muslime auch zu halten.
Einerseits richtig. Andererseits wird vielerorts mit zweierlei Maß gemessen. Hier zum Beispiel:

Pope Comic (MTV)
MTV wirbt für eine Zeichentrickserie. Inhalt: Ein durchgeknallter Papst und ein krimineller Kardinal. Könnte lustig werden.
Wenn es da nicht die Senilenvereinigung “Zentralkomitee der deutschen Katholiken” gäbe, welche “alle Christinnen und Christen in Deutschland” (Wortlaut) auffordert, gegen die Sendung zu protestieren. Wenn es um ihren eigenen Glauben geht, da verstehen Katholiken nämlich auf einmal überhaupt keinen Spaß mehr.
Der Islam soll gefälligst tolerant auf die Verunglimpfung seines Heiligen reagieren. Aber den Papst auf die Schippe nehmen, nein, das geht nicht. So trägt man nicht zum Austausch und zur Versöhnung der Kulturen untereinander bei. Im Gegenteil.
Und wieder mal eine Knaller-Meldung aus dem Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Verzweifelt habe ich bei dem zugehörigen Artikel auf SPON nach einem Hinweis auf einen Aprilscherz gesucht, aber dem ist leider nicht so. Man findet die Geschichte auch beim zitierten TV-Sender von Kansas City.

Kristen McCorkle
Hier zu sehen: Kristen McCorkle, ein 14jähriges Mädchen aus der achten Klasse einer Schule in Kansas. Was an ihr ungewöhnlich sein soll? Also, ich bitte Sie, schauen Sie doch noch mal genauer hin! Bemerken Sie nicht die gefärbten Haarsträhnen? In Rot? In einem dermaßen grellen Rotton, daß man eigentlich nicht anders kann, als permanent da drauf zu starren? Man kann sich quasi auf überhaupt nichts mehr anderes konzentrieren, nicht wahr? Und das ist auch so, wenn man nur mit ihr zusammen in einem Raum ist. In einem Klassenraum, beispielsweise. Ein Lehrer, neunzehn brave Schüler und Kristen McCorkle, da ist doch nun wirklich kein geordneter Unterricht mehr möglich, meinen Sie nicht auch!?
Genau, daß sah die Leitung ihrer Schule genauso, und deswegen wurde dieses ach so rebellische Mädchen (daß, anbei, zu den Besten ihrer Klasse gehört – aber daß ist ja egal, wenn man sich die Farbe von verdächtigen politischen Bewegungen in die Haare schmiert) vom Unterricht suspendiert. Weil, so die Begründung, der Lernprozess der gesamten Gruppe gefährdet sei.
Nun ja.
Vielleicht sollte man spezielle Kleidungsvorschriften erlassen. Diverse US-Bevölkerungsgruppen machen es doch schon vor, wie man hier vorgehen könnte.