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Irgendwas regt mich immer auf

Gendatenbank

Auf SPIEGEL ONLINE kann man zur Zeit lesen, daß im Vereinigten Königreich demnächst das Projekt einer gigantischen “genetischen Datenbank” gestartet wird. Eine halbe Million Menschen sollen freiwillig ihre DNA abgeben. Über einen Zeitraum von dreißig Jahren hinweg wird dann die Gesundheit dieser Probanden dokumentiert werden, um so Zusammenhänge zwischen auftretenden Krankheiten und vorliegender Erbsubstanz herauszufinden. Hochtrabend wird das Ganze als “größtes medizinische Experiment der Welt” bezeichnet.
Nunja. Das mag so sein oder nicht. Auf jeden Fall ist es jedoch die größte Gen-Sammlung von Normalbürgern, die es gibt. Aber aus Datenschutzgründen muss man sich keine Sorgen machen. Die Datenbank wird nämlich, wie es heißt nicht frei zugänglich sein, und nur für die beschriebenen medizinischen Zwecke verwendet werden.
Hmm. Ich glaube das nicht.

Wie war das mit der zentralen Datei von Konto-Stammdaten hier in Deutschland? Eingeführt wurde sie nach dem 11. September 2001, mit der Begründung, man brauche so etwas zum Aufspüren von Geldern, die für Terror-Unternehmungen eingesetzt würden. Und wer darf heute drauf zugreifen? Richtig, das Finanzamt. Irgendjemand kam auf die glorreiche Idee, diesen Wust an Daten auch anderweitig zu nutzen als ursprünglich gedacht.

Oder, noch aktueller, das Gerangel um die Verwendung von Mautdaten von Toll Collect. Als dieses System eingeführt wurde, untersagte der Gesetzgeber strikt eine anderweitige Verwendung der erhobenen Daten. Zu Recht. Doch was geschieht nun? Irgendein Lastwagenfahrer hat wohl ein Mord an einer Schülerin begangen, und prompt fordert nicht nur die Boulevard-Presse die Verwendung der Mautdaten, sondern auch die Polizei.

Hier besteht die Gefahr, dass Datenschutz zum Täterschutz wird. Ich bedauere sehr, dass wir bei unseren Ermittlungen nicht direkt auf die Aufzeichnungen in den Mautbrücken auf den Autobahnen zurückgreifen können, obwohl diese uns bei der Klärung von zwei Morden und einem versuchten Mord vermutlich sehr helfen könnten.
Schon bekommen die Behörden Unterstützung aus der Politik, von meinem Freund Günther Beckstein beispielsweise.

Wie lange wird bei diesem aufgebauten öffentlichen Druck die (rechtmäßige!) Weigerung von Toll Collect noch Bestand haben, die geforderten Daten herauszugeben? Spätestens beim nächsten Verbrechen wird irgendein Politiker eine Gesetzesänderung beantragen, das prophezeie ich euch, und dann dürfen die Daten an die Ermittlungsbehörden herausgegeben werden. Natürlich nur für Kapitalverbrechen, für nichts anderes! Na klar. Ganz lustig wird es dann, wenn das vorhandene Maut-System auch zur Verwirklichung einer PKW-Maut herangezogen wird, wozu es ja bekanntermaßen problemlos in der Lage ist.

So.

Glaubt nun noch jemand ernsthaft daran, daß die britische Gendatenbank ausschließlich für medizinische Zwecke genutzt werden wird? Denkt jemand wirklich, nach einem größeren Verbrechen, wo genetische Spuren vom Täter hinterlassen wurden, und den man verzweifelt sucht, kommt keiner auf die Idee: Lasst uns doch mal das Profil mit den Biobank-Daten vergleichen, vielleicht ist der Täter ja da registriert!

Die Biobank-Verantwortlichen wissen gar nicht, wie Recht sie haben, wenn sie schreiben:

A very wide range of tests will be done on the blood and urine samples for approved medical research, and it is impossible to predict all of the uses to which the samples might be put during the next few decades.

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