Gerontokratie
Der Bundeswahlleiter hat eine Schätzung der Wahlbevölkerung zur Bundestagswahl 2009 nach Altersgruppen und Geschlecht veröffentlicht.
Die größte Gruppe stellen immer noch die 40-49 jährigen, sie machen 20,6% der Wahlberechtigten aus. Die zweitstärkste Gruppe liegt nur knapp dahinter, mit 18,3%. Das sind die Leute, die siebzig Jahre und älter sind. Diese Gruppe wird mit jedem Jahr größer.
Wer sich anschauen möchte, wie das weitergeht, dem empfehle ich die interaktive Alterspyramide des Statistischen Bundesamtes. In diesem Jahr liegt der Bevölkerungsanteil der Gruppe 70+ bei 15% (da Kinder nicht wahlberechtigt sind ergibt sich somit die prozentual stärkere Representation innerhalb der Wählerschaft).
Wenn man nur mal die Zahlen in den potentiellen Bundestagswahljahren herauspickt, ergibt sich folgende Entwicklung:
- 2009: 15%
- 2013: 16%
- 2017: 16%
- 2021: 17%
- 2025: 18%
- 2029: 20%
- 2033: 22%
- 2037: 25%
- 2041: 26%
Soweit ist das ja nichts neues. Das die Bevölkerung immer älter wird, sollte allgemein bekannt sein. Worüber mir jedoch viel zu wenig geredet wird, sind die möglichen Auswirkungen dieser Entwicklung auf die politischen Entscheidungen innerhalb einer Demokratie wie Deutschland. Eine Situation, in welcher “die Alten” ein Drittel der Wählerschaft stellen, macht mir, ehrlich gesagt, Angst. Oder zumindest große Sorgen.
Warum? Nun, ich muss mir nur anschauen, wie die Politik schon bei der aktuellen Stimmenmacht gegenüber der Rentnergeneration einknickt. Beispiel Rentengarantie. Wirtschaftliche Entwicklung, Einkommen der Jungen – alles egal. Die Rentner bekommen ihr Geld. Einer möglichen Kürzung wurde eine Absage erteilt. Für mich ist das eine Versündigung an der Zukunft.
Wie mag das erst aussehen, wenn die Macht der Alten noch stärker wird? Welche Belastungen werden zukünftig den Jungen aufgedrückt werden?
Denn eines halte ich für ausgeschlossen: Das bei diesem Thema die Vernunft in Deutschland die Oberhand gewinnt. Weder kann man ernsthaft auf eine Rentnergeneration hoffen, welche die jährlichen Lanzarote-Urlaube aus freien Stücken einer soliden Bildungspolitik opfert, noch kann man davon ausgehen, daß es in der Politik keine Rattenfänger gibt, die sich dieser Gerontokratie mit populistischen Versprechungen andienen.
Eine einfache Lösung für dieses immer stärker werdende Problem gibt es sicherlich nicht. Radikale Vorschläge, wie über eine “Modifizierung” des Wahlrechts nachzudenken, sind sicherlich keine Option. Nichtstun ist es aber noch viel weniger.

Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du so dreißig bis fünfzig Jahre in eine Versicherung eingezahlt hättest und man Dir nach Eintritt des Versicherungsfalls mitteilen würde, daß man jetzt die Konditionen zu Deinen Ungunsten ändert?
Ich würde die Versicherung verklagen. Zu den neuen Konditionen hätte ich diese Versicherung nie abgeschlossen.
Dumm nur, daß es eine dieser Pflichtversicherungen ist, die man abschließen mußte und zu der es keine Alternative gab und gibt.
Wie sollte man die Stimme eines Menschen gewichten? Mit seiner Restlebenserwartung? Sollten Eltern einen Faktor bekommen, abhängig von der Anzahl der Kinder, über deren Zukunft sie mitabstimmen?
Es ist ja im eigentlichen Sinne keine Versicherung. Es ist ein Generationenvertrag. :-)
Ja, ja, schon klar, bla.
Dummerweise ist die Rente aber eine sehr langfristige Sache.
Jemandem 30-50 Jahre lang zu erzählen und zu versichern, daß er von der gesetzlichen Rente – für die er in dieser Zeit Beiträge zahlen mußte – seinen Lebensstandard halten könnte, um ihm dann am Ende seines Erwerbslebens zu sagen, “ätsch, wir kürzen die Leistungen, hätt’ste halt vor ein paar Jahrzehnten anfangen müssen, privat vorzusorgen” ist trotzdem dreckig und gemein.