U18-Wahl
Bei der U18-Wahl hat die Piratenpartei einen sensationellen Stimmenanteil von bundesweit 8,7 Prozent eingefahren. Respekt. Am höchsten lag das Ergebnis in Thüringen (14%), am niedrigsten im Saarland (5%). In Sachsen tritt die Partei nicht an.
Für die Piratenpartei ist das ein sehr gutes Ergebnis, und es macht Hoffnung für die Bundestagswahl am kommenden Wochenende. Aber auch in Bezug auf die anderen Parteien ist das Ergebnis spannend.
So finde ich zum Beispiel hochinteressant, daß im Saarland die Linke auf gerade mal 4.8% kommt – in einem Bundesland, wo diese Partei es bei den kürzlich stattgefundenen regulären Wahlen auf über 21% geschafft hat! Keine rosigen Aussichten für die Linke. Stattdessen wählten übrigens 32% der Saarländer unter achtzehn Jahren die CDU, was mit Abstand das beste Ergebnis für die Konservativen im Vergleich mit den anderen Bundesländern darstellt.
Die Grünen sind in allen westlichen Bundesländern außer dem Saarland auf Platz eins oder zwei. In drei Bundesländern stellen sie die stärkste Fraktion. Ihr stärkstes Ergebnis holten sie mit 25% in Bremen; nimmt man nur die Flächenländer, ist es Schleswig-Holstein mit 24,6%.
Die unsägliche NPD schafft es in keinem westdeutschen Bundesland über die 5%-Hürde. Das ist beruhigend, zeigt es doch, daß offenbar im Westen keine neue Glatzengeneration heranwächst. Keine Entwarnung gibt es jedoch für vier der fünf ostdeutschen Bundesländer, wo die Braunen locker in den virtuellen U18-Landtag einziehen. Den Vogel abgeschossen haben sie in Sachsen, dort stimmten fast 13% für diese Deppen.
Die Knaller-Zahl zum Schluss kommt aber wiederum aus dem hohen Norden: Wer mir erklären kann, was 2,2% der jugendlichen Fischköppe aus Schleswig-Holstein dazu bewogen hat, die Rentnerpartei zu wählen, der sei herzlich eingeladen…

Diese Wahlergebniss zeigen nur eines deutlich:
Kinder lassen sich besser manipulieren und in die Irre führen, als Erwachsene, weil ihre kritische Analyse- und Urteils-Kraft noch nicht vollwertig ausgebildet sind.
Ein herabsenken des Wahlberechtigungsalters ruft nur die Rattenfänger aller coleur auf den Plan, und das kann mir keiner als demokratische Errungenschaft verkaufen…
@rolfvommerkur:
Hm, bedeutet das, daß die Wahlberechtigung von einer vollausgebildeten Analyse- und Urteilskraft abhängen sollte? Überlegenswert, aber ich befürchte, daß sich dann die Zahl der erwachsenen Wahlberechtigten in Deutschland schlagartig halbiert. :)
Ich stimme Rolf insofern zu, als die Bildung einer Persönlichkeit und die Entwicklung eigener Ansichten und Überzeugungen etwas ist, das Zeit braucht. Wenn ich daran denke, was ich als unter-18-Jähriger so alles gut fand, dann graut es mir:
- Ich war Fan von Mercedes und ein 124er 250TD war mein Traumauto. Zeitweise hielt ich sogar große Stücke auf BMW oder Rolls-Royce.
- Ich fand eine SIG226 oder Beretta 92FS für das Maß der Dinge.
- Ich stand sogar eher dem linken und autoritären Flügel der CDU nahe.
- Ich war vehement für die Wehrpflicht.
- Ich war mal für, mal gegen Kernkraft.
…und noch einiges mehr.
Jetzt, mit 37 sehe ich die Dinge deutlich anders als damals, vor allem nüchterner, sachlicher, pragmatischer, abwägender.
Aber man kann ja schlecht das Wahlalter auf 30 raufsetzen, oder? Daß viele der Wähler in Deutschland (und auch anderswo) eigentlich zu wenig wissen oder verstehen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen, tja, das ist ein Problem oder vielleicht auch keins, und Lösungsansätze gibt’s zuhauf.
Wenn ich mir z.B. den Einbürgerungstest meiner Frau ansehe und bedenke, daß sie von 300 Fragen nur so 5-10 nicht richtig beantwortet hat (”Wer hat den Text der deutschen Nationalhymne geschrieben”), dann denke ich, daß a) meine Frau wohl eher wählen dürfen sollte, als mancher Deutscher und b) man die Wahlberechtigung vom Bestehen dieses Tests abhängig manchen sollte.