Frankfurt siegt gegen den Erzfeind
Frauenfußball at it’s best: Heute standen sich im Stadion am Brentanobad die ewigen Rivalen FFC Frankfurt, aktuell Tabellendritter, und Turbine Potsdam, Tabellenführer und amtierender Deutscher Meister, gegenüber. Das strahlend schöne Wetter und die zu erwartenden neunzig hochklassigen Minuten sorgten für einen nie dagewesenen Andrang. Schon eine halbe Stunde vor Spielbeginn ging auf der Zubringerstraße Ludwig-Landmann-Straße nichts mehr.
Für viele Zuschauer sorgte auch eine Aktion der Stadt Frankfurt. Diese hatte, quasi als Mobilisierungsvorbereitung auf die WM im nächsten Jahr, eintausend Karten an städtische Mitarbeiter vergeben, die in einheitlichen, FFC-roten Shirts aufliefen und im Stadion nicht zu übersehen war.
Gefühlt war das Stadion so voll wie noch nie, und die Bekanntgabe der Zuschauerzahl zur Halbzeit sollte das bestätigen. 4320 Leute hatten den Weg zu diesem Bundesligaspiel gefunden. Das ist neuer Rekord in der 1. Frauenfußball Bundesliga.
Zum Spiel selbst: Realistisch hatte man nicht mit einem Sieg Frankfurts rechnen dürfen. Dazu waren die Turbinen diese Saison zu stark. Präziser gesagt: Turbine Potsdam hatte bislang noch kein einziges Spiel verloren, Frankfurt sich dagegen selbst gegen Außenseiter diverse Ausrutscher geleistet.
Aber erstens kommt es anders…
Die erste Halbzeit beschränkte sich auf gegenseitiges Abtasten, hochkarätige Chancen boten sich keiner Seite. Doch kurz vor Ende derselbigen ein herber Dämpfer für die Damen in blau: Gelb-rote Karte für Keßler wegen Torschusses, obgleich das Spiel wegen Abseits schon abgepfiffen war. Sicherlich eine harte Entscheidung, aber regelkonform.
Verwunderlich nur, was Potsdams Trainer Schröder nach dem Spiel zu dieser Thematik zum Besten gab (hier nachzuhören):
Wenn man hier großspurig sagt, wir haben ein Stadion mit 4500 Zuschauern, dann muss man auch davon ausgehen, daß die Zuschauer so laut sind, daß eine Spielerin manchmal gar nicht hört, ob abgepfiffen ist.
Das mit dem “großspurig” versteh ich erstmal überhaupt nicht, aber die Logik, daß man einer Spielerin bei vielen Zuschauern nicht zumuten kann, auf das zu hören, was unmittelbar um sie herum passiert, ist schon recht krude. In Stadien mit 50.000 Leuten klappt es ja auch mit einem einfachen Pfiff des Schiedsrichters, Nebelhörner hat da noch niemand verlangt.
Egal, Potsdam kam nach der Pause zu zehnt auf den Platz, was aber wenig später Lira B. nicht daran hinderte, mit einer – zugegebenermaßen – beeindruckenden Sololeistung auf das Frankfurter Tor zuzustürmen und den Ball an Nadine Angerer vorbei ins Netz zu pfeffern. 0:1.
In der folgenden halben Stunde bestimmte wieder Frankfurt das Geschehen. Alles wurde nach vorne geworfen, die Chancen kamen fast im Minutentakt, aber ein Tor wollte nicht fallen. Kein Zuschauer, der sich nicht verzweifelt die Haare raufte, als selbst Birgit Prinz einen Kopfball nur an die Latte setzte.
Es blieb Ariane Hingst vorbehalten, die Massen zu erlösen. In der 86. Minute lupfte sie eine Hereingabe von Kerstin Garefrekes über die bis dahin grandios und nahezu fehlerfrei spielende Potsdamer Torhüterin Anna Felicitas Sarholz. 1:1.
Das schien es gewesen zu sein. Doch Turbine schien sich vorgenommen zu haben, sich das Leben selbst schwer zu machen. Erst die rote Karte… und schließlich, bereits in der Nachspielzeit, ein völlig unnötiges Foul im Potsdamer Strafraum. Elfmeter, Prinz versenkt sicher, 2:1 – und dann war Schluss.
Turbine Potsdam kann diese Niederlage locker verschmerzen. Sie führen die Tabelle komfortabel an, und ihnen ist die Meisterschaft eigentlich nur noch rechnerisch zu nehmen. Für die Frankfurterinnen jedoch könnten die 3 Punkte noch wichtig werden im Kampf um die Teilnahme an der Champions League, obgleich dies nur funktioniert, wenn der FCR Duisburg in seinen verbleibenden Spielen patzt. Auch nicht gerade wahrscheinlich.
Erwähnenswert noch, daß man nach dem Abpfiff, als die Massen Richtung Ausgang strömten, hörte, wie viele der rotgekleideten Stadtmitarbeiter begeistert waren. Die 1000-Karten-Aktion hat natürlich nicht nur eingefleischte Frauenfußballfans erwischt, sondern auch Neulinge. “So spannend hätt’ ich mir das nicht vorgestellt”, hörte ich einen sagen. Na also. Wenn das mal kein Erfolg ist und gutes für 2011 hoffen lässt? Und vielleicht verirrt sich der eine oder andere Beamte in Zukunft öfters ins Brentanostadion?

