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Irgendwas regt mich immer auf

Jeder, der sich einem Nazi-Aufmarsch in den Weg stellt, oder versucht ihn anderweitig zu verhinden, hat höchsten Respekt verdient. In besonderem Maße gilt dies für prominente Persönlichkeiten, können sich diese doch an einer Hand abzählen, daß sie aufgrund ihrer sozial exponierten Position am ehesten von den üblichen rechtslastigen Gazetten und Institutionen angegriffen werden, wenn es im Zuge des Protests erforderlich ist, das Gesetz zu – sagen wir mal – dehnen.

Nun ist es Wolfgang Thierse geschehen. Der Bundestagsvizepräsident hatte sich am 1. Mai einer Sitzblockade angeschlossen, die versuchte, den Zug einer Horde Braunhemden zu stören. Obwohl Thierse schon der ersten Aufforderung der Polizei nachkam, den Weg freizugeben (der SPIEGEL berichtet das), muss er sich wohl auf rechtliche Konsequenzen gefasst machen. Thierse dürfte damit gerechnet haben; einem langjährigen MdB müsste die entsprechende Gesetzeslage bekannt sein. Umso höher ist seine Courage einzuordnen.

Traurig in diesem Zusammenhang ist nur die Reaktion der Gewerkschaft der Polizei, die sich ziemlich eindeutig äußert: Thierses Verhalten sei “würdelos”.

Diese Einschätzung wiederum halte ich für eine Katastrophe.

Mir ist auch klar, daß die Polizei keinen Beifall klatschen kann, wenn jemand versucht, eine genehmigte Versammlung zu stören. Aber eine Verlautbarung wie hier beschrieben ist schon ziemlich dämlich. Widerstand gegen Nazis ist “würdelos”? Starker Tobak! Die GdP hätte einfach ruhig sein können und die Kommentierung den Stellen überlassen sollen, die auch für eine strafrechtliche Verfolgung zuständig sind (sofern überhaupt eine zustande kommt), also den Staatsanwaltschaften. Aber das vorliegende Verhalten ist schlicht und ergreifend Wasser auf die Mühlen der Rechten und öffnet Spekulationen Tür und Tor, wes Geistes Kind bestimmte Personen in der GdP sind.

9 Kommentare zu “Respekt für Wolfgang Thierse”

  1. T.Stahlam 08.05.2010 um 11:36

    Wie wohl das Medienecho wäre, wenn sich Wolfgang Schäuble einem Aufmarsch von Kommunisten in den Weg stellen würde?

    Thierse sollte sich eher mal für eine Aufklärung der Bevölkerung stark machen. Ich kenne da jemanden, der in 14 Jahren in deutschen Schulen nicht ein einziges Mal den 2. Weltkrieg durchgenommen hat. (Aber dafür bestimmt den Siebenjährigen Krieg, den Dreißigjährigen Krieg, den Schmalkaldischen Krieg,…)

    Macht die Nazis lächerlich! Stellt sie als das hin, was sie sind. Idioten, die einem vegetarischen, inzestuösen Natursektliebhaber, einem fettleibigen Junky und einem notorischen Lügner und Kindermörder mit Klumpfuß folgen.

    Wobei, besser nicht. Ruft bestimmt einen Proteststurm der Vegatarier, der BDSM-Liebhaber, der Übergewichtigen, der Drogenabhängigen und der Gehbehinderten herauf.

  2. Blogwartam 08.05.2010 um 15:03

    Zum Thema “lächerlich machen” bin ich vollkommen bei dir. Aber das ist ja keine neue Idee, das wird ja schon von diversen Medien praktiziert (siehe bspw. hier: http://www.blogwart.com/2009/09/rieger-ab-in-die-tonne/).

    Was man aber nicht machen sollte, ist, die braunen Truppen zu verharmlosen. Und, sorry, das machst du, wenn du solche Zusammenrottungen mit einem “Kommunisten-Aufmarsch” vergleichst.

  3. T.Stahlam 08.05.2010 um 17:47

    Ich weiß nicht, wer da gerade was verharmlost.

    Nazi-Aufmärsche mit Kommunisten-Aufmärschen zu vergleichen verharmlost Deiner Meinung nach Nazi-Aufmärsche. Hab ich das richtig verstanden?

  4. Blogwartam 08.05.2010 um 17:50

    Wir reden ja über Situationen im Deutschland von heute, und bezüglich dieses Kontexts lautet die Antwort klar JA. :)

  5. C.Stahlam 08.05.2010 um 18:23

    Wenn ich mir die Krawallen am 1.Mai und die abgefackelten Autos in Berlin so anschaue, weiß ich nicht, welche Aufmärsche nun schlimmer sind. Die einen Versuchen ihre Ideologie mit Worten und Parolen unters Volk zu bringen und die anderen versuchen es mit Zerstörung von fremden Eigentum. Für mich gehört beides in die selbe Ecke geschoben.

  6. T.Stahlam 08.05.2010 um 19:26

    Was sagt denn die PKS zu politisch motivierten Verbrechen in Deutschland?

    http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2010/03/politisch_motivierte_kriminalitaet.html

    Aha, zwischen Faschos und Kommis steht es 2:1, aber die Kommis holen auf.

    Wenn sich dann bitte wenigstens halb so viele aufrechte Politiker einem Aufmarsch von Kommunisten in den Weg stellen mögen…

  7. Blogwartam 08.05.2010 um 20:51

    @C:
    Selbst wenn man alle Autobrände in Berlin und Hamburg in die linke Ecke schieben wollte (mittlerweile sollte es sich herumgesprochen haben, daß selbst die Polizei davon ausgeht, das zumindest in jüngster Vergangenheit ein nicht unwesentlicher Teil davon auf das Konto apolitischer Trittbrettfahrer geht), ist das doch nicht vergleichbar!
    Wenn ich mir aussuchen kann, ob ein paar Luxuskarossen brennen sollen oder ein vollbesetztes Asylantenheim, fällt zumindest mir die Wahl nicht so schwer. Dir?

  8. C.Stahlam 08.05.2010 um 21:54

    Wenn ich es mir aussuchen kann, will ich, dass gar nichts brennt. Natürlich sind Anschläge auf Asylantenheime schlimmer. Aber relativiert das die Taten von sogenannten Linken? Ab welcher Tat werden sie denn auf eine Stufe mit Faschos gestellt? Muss erst beim abfackeln eines Autos jemand zu Schaden kommen? Oder muss erst ein Polizist tödlich durch einen geworfenen Stein, Flasche oder Moli verletzt werden? Dürfen sich Linke alles erlauben, solange die Taten der Faschos schlimmer sind?

  9. T.Stahlam 08.05.2010 um 22:30

    Das ist der Unterschied zwischen Sozialisten (ob nun national oder marxistisch) und freiheitsliebenden Menschen wie mir:
    Ich hab was gegen beide Gruppierungen, die mir vorschreiben wollen, wie ich glücklich werde, und nicht nur gegen die jeweils andere.

    Ich hab für Nazis und Kommis gleich viel übrig – je ein Drittel meiner Munition. *GGG*

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