Dienstag, 6. Februar 2007 um 23:06 UhrHeiß wirds

Man sollte meinen, nach dem Klimabericht der UN von letzter Woche müsste auch der letzte begriffen haben, daß es nicht fünf Minuten vor, sondern ein paar Minuten nach zwölf ist.
Man sollte meinen, daß nun alle fadenscheinigen Ausreden, egal von welcher Seite, von der öffentlichen Meinung und der Politik hinweggefegt würden.

Pustekuchen.

Es will wirklich nicht in meinen Kopf hinein. Ehrlich. Man liest hier über Reaktionen auf den Bericht, man recherchiert dort ein wenig und kommt zu dem Ergebnis, daß wohl alle für ihre Urenkel die klimatische Apokalypse wollen. Und mit alle meine ich nicht nur die Deutschen, nicht die Europäer, sondern wirklich alle.

Denn das ist das wirklich Neue an dem drohenden Szenario: Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte der Menschheit gibt es etwas, was sie in ihrer Gänze bedroht.

Kriege? Selbst der zweite Weltkrieg hat nicht wirklich die ganze Welt erfasst.
Seuchen, Erdbeben, Vulkanausbrüche? Waren immer regional begrenzt, so groß sie auch gewesen sein mögen.
Ozonloch? Hat einen globalen Hype verursacht, aber die wirklich Leidtragenden waren vor allem die Australier.

Nein, die globale Erwärmung ist genau das, was sie in ihrem Namen trägt: Global. Niemand wird vor ihr weglaufen können. Der eine wird ein wenig mehr betroffen sein, der andere weniger, aber einen Impact wird diese Entwicklung garantiert überall haben.

Nun agiert die Menschheit ja nun leider Gottes nicht als Einheit. Sie hat sich darin gefallen, sich in mehrere Völker und Staaten zu splitten. Sicher ist es erstrebenswert, daß irgendwann zu ändern, aber so ist nunmal der status quo.

Aus der Vergangenheit sind wir es gewohnt, daß die Staaten versuchen, sich gegenseitig auszustechen. Vor noch nicht allzu langer Zeit militärisch, heute sind die meisten "modernen" Staaten dazu übergegangen, sich wirtschaftlich zu bekriegen (Okay, bis auf die USA, die das munter miteinander kombinieren).
Jede Entscheidung wird auf die Wirtschafts-Waage gelegt. Lohnt sich das? Bringt das Arbeitsplätze? Vernichtet es eventuell welche? Andauernd bekommen wir solche Sprüche zu hören, und wir haben uns dran gewöhnt, eingebleut zu bekommen, daß unser Land mit anderen Ländern im Wettbewerb stehe, und daß wir die Bedingungen hierzulande so hinbiegen müssten, daß es der Wirtschaft gut geht.

Doch nun ist das anders. Muss es anders sein. Wenn wir wirklich versuchen wollen, den Eisberg nur zu schrammen, anstatt volle Kanne drauf zu brettern, dann dürfen kurzfristige wirtschaftliche Erwägungen keine, aber auch überhaupt keine Rolle spielen. Eine Denke wie all die Jahre und Jahrzehnte nach dem Motto Ich mache nicht den ersten Schritt, sonst bin ich wirtschaftlich im Nachteil, bringt uns dem Ziel keinen Schritt näher. Es ist einfach keine Zeit mehr, neue Gremien zu gründen, nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen und auf einen Nachfolger zum Kyoto-Protokoll zu setzen.
Runter mit den Emissionen, und zwar sofort. Das ist die einzige Möglichkeit. Im Einzelnen unter anderem:
  • Massive Stromverteuerung, damit sich Wärmedämmung und andere energiesparende Maßnahmen wirklich lohnen! Ein Verbot der Herstellung von Geräten mit Stand-By-Funktion ist zwar ganz nett gemeint, braucht aber zu lange, bis es greift. Die Millionen von alten TV-Geräten, die in deutschen Wohnungen noch herumstehen, verbrauchen dann nachts immer noch Strom.
  • Absolutes Fahrverbot für PKW mit einer CO2-Emission höher als 110 g/km.
  • Darüber hinaus ein striktes Tempolimit von 120 oder vielleicht sogar 110 km/h auf Autobahnen.
  • Komplette Einstellung des kommerziellen innerdeutschen Flugverkehrs.

Ich höre schon das Gejammere! Strom verteuern geht nicht, ich habe jetzt schon so wenig Geld. Mein Auto stößt aber mehr als 110 aus, und ich bin aufs Auto angewiesen. Und so weiter.
Leute, es ist mir scheiß-e-gal, was ihr meint für Probleme zu haben. Denn gegenüber den Problemen, die wir bekommen, wenn wir solche oder ähnliche Maßnahmen nicht durchführen, sind sie nichts weiter als ein kleiner Pups.

Und solche Dinge kann man durchaus im nationalen Einzelgang beschließen! Wenn ein anderes Land eben meint, weiter billig und damit umweltschädlich produzieren zu müssen, dann erhebt man eben gigantische Zölle. Die Oberen dieser Gesellschaft müssen es nur wollen.

Aber - na klar, den Kopf in den Sand zu stecken, wenn man selbst nicht mehr betroffen ist, ist einfach. Das trifft vor allem auf die Generation zu, die momentan in Politik und Wirtschaft das Sagen hat, also im Alter zwischen 40 und 65 Jahren.
Selbst an meiner Generation wird der Kelch wohl größtenteils noch vorüber gehen. Die Klimaprognosen zielen ja meistens auf zwei Zeitpunkte ab, einmal 2050 (bekomme ich wahrscheinlich noch mit) und 2070 (da bin ich tot).
Und mein Neffe, der dieses Jahr drei wird, hat gute Chancen, als alter Mann bei einer Hitzewelle zu sterben, gegen welche die von 2003 mit europaweit tausenden von Toten (vor allem ältere Menschen) ein laues Lüftchen ist.

Die Generation nach ihm jedoch - die darf sich wirklich auf was gefasst machen. Diese Generation wird uns hassen.

Wenn sie überhaupt Gelegenheit dazu haben, sich Gedanken über die Vergangenheit zu machen, und nicht schon damit ausgelastet sind, zuzusehen, daß sie am nächsten Tag noch existieren. Denn das kann auch Realität werden - die Menschheit diskutiert noch zehn, zwanzig Jahre herum, die einzigen nationalen Anstrengungen, die unternommen werden, betreffen die militärische Aufrüstung, um sich das nötige Wasser und Land, wo man leben kann, mit Gewalt zu nehmen, und am Ende zerfleischt man sich gegenseitig.
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Und noch ein wenig Einmaleins.
Was ist 3 mal 2?