blogwart.com

Irgendwas regt mich immer auf

Schuldenschätzung

In der letzten Ausgabe von hart aber fair ließ Moderator Plasberg seine Gäste am Ende  schätzen, um wie viel Euro die Schuldenuhr der Bundesrepublik Deutschland seit dem Beginn der Sendung (Dauer: 75 Minuten) angestiegen war.

Vier der fünf Gäste – darunter u.a. mit der Materie vertraute Politiker wie Kurt Biedenkopf und Hans Eichel – tippten auf Beträge zwischen 15 und 25 Millionen Euro, und lagen damit ziemlich gut an der Wirklichkeit von knapp 20 Millionen Euro.

Gast Nummer fünf war nicht ganz so brilliant.

Silvana Koch-Mehrin, ihres Zeichens FDP-Frontfrau im europäischen Parlament, schätzte bizarre 6000 Euro. Das sind gerade mal 0.03% der Wirklichkeit.

Das lässt tief blicken. Wenn ich mir diese kruden, verqueren Vorstellungen der fiskalischen Realität so anschaue, welche offensichtlich in den Hirnen der FDP herumspuken, wird mir langsam klar, wieso denen noch nicht selbst aufgegangen ist, daß ihre mantraartig wiederholte Forderung nach Steuersenkungen nichts als Schwachsinn in Reinform ist.

Roller-Ice-Coaster

Mit speziellem Gruß an R.! ;-)

[via Gilly]

CNN erklärt das britische Wahlsystem. Süß. :-)

Jeder, der sich einem Nazi-Aufmarsch in den Weg stellt, oder versucht ihn anderweitig zu verhinden, hat höchsten Respekt verdient. In besonderem Maße gilt dies für prominente Persönlichkeiten, können sich diese doch an einer Hand abzählen, daß sie aufgrund ihrer sozial exponierten Position am ehesten von den üblichen rechtslastigen Gazetten und Institutionen angegriffen werden, wenn es im Zuge des Protests erforderlich ist, das Gesetz zu – sagen wir mal – dehnen.

Nun ist es Wolfgang Thierse geschehen. Der Bundestagsvizepräsident hatte sich am 1. Mai einer Sitzblockade angeschlossen, die versuchte, den Zug einer Horde Braunhemden zu stören. Obwohl Thierse schon der ersten Aufforderung der Polizei nachkam, den Weg freizugeben (der SPIEGEL berichtet das), muss er sich wohl auf rechtliche Konsequenzen gefasst machen. Thierse dürfte damit gerechnet haben; einem langjährigen MdB müsste die entsprechende Gesetzeslage bekannt sein. Umso höher ist seine Courage einzuordnen.

Traurig in diesem Zusammenhang ist nur die Reaktion der Gewerkschaft der Polizei, die sich ziemlich eindeutig äußert: Thierses Verhalten sei “würdelos”.

Diese Einschätzung wiederum halte ich für eine Katastrophe.

Mir ist auch klar, daß die Polizei keinen Beifall klatschen kann, wenn jemand versucht, eine genehmigte Versammlung zu stören. Aber eine Verlautbarung wie hier beschrieben ist schon ziemlich dämlich. Widerstand gegen Nazis ist “würdelos”? Starker Tobak! Die GdP hätte einfach ruhig sein können und die Kommentierung den Stellen überlassen sollen, die auch für eine strafrechtliche Verfolgung zuständig sind (sofern überhaupt eine zustande kommt), also den Staatsanwaltschaften. Aber das vorliegende Verhalten ist schlicht und ergreifend Wasser auf die Mühlen der Rechten und öffnet Spekulationen Tür und Tor, wes Geistes Kind bestimmte Personen in der GdP sind.

Downtime Message

Entschuldigungstext von Grooveshark, die gerade down sind:

To those of you who were redirected here, we apologize.

In an attempt to befriend Asian investors and increase office morale, we here at Grooveshark established some connections with the Chinese black market and imported our very own black-and-white Giant Panda (hereby known as “Pickles”). Unfortunately, due to circumstances no one could have foreseen, Pickles became agitated at the fluorescent lights and near-constant belly rubs and began clawing at our computers.

Pickles is currently thrashing about in the server room, causing the technical difficulties and temporary outage you just experienced. As soon as our interns return from Pier 1 with synthetic bamboo, a picnic basket and an oversized net, we will be able to return the servers back to normal and, if we can, rescue the coder that Pickles has taken as a prize.

Thank you for your patience.

:-D

Die Polizei als dein Feind und Schläger. Mal wieder. Gefilmt am 1. Mai in Berlin.

(ab ca. 25 Sekunden)

Wann hören endlich die Vernünftigen und Besonnenen in den Reihen der Polizei, die in der klaren Mehrheit sind, auf, aus falsch verstandenem Corpsgeist diese Brutalos in ihrer Mitte zu schützen?

[via redblog]

Nachtrag:
Laut SPON wird nun gegen den fraglichen Polizisten wegen Körperverletzung im Amt ermittelt. Immerhin. Man darf gespannt sein, ob was bei rauskommt. Mein Tipp: Nein. Wahrscheinlich kann die fragliche Person noch nicht mal ermittelt werden. Da ist dann die GdP wieder zufrieden, welche eine numerische Kennzeichnung von Polizisten, die genau wegen solcher Vorkommnisse sinnvoll ist, seit Jahren torpediert (bedauerlicherweise mit Erfolg).

Per Zug auf dem Weg nach Frankfurt.
Die Hälfte der Reisenden hat Sekt dabei, wegen dem 1. Mai. Die andere Hälfte bereitet sich mit Bier auf das Spiel Frankfurt gegen Hoffenheim vor. Prost.

Flic Flac

Gestern Abend war Zirkus angesagt. Flic Flac gastiert zur Zeit in Frankfurt, und ihr neues Programm ARTGERECHT haut einen wirklich vom Hocker.

Eine perfekte Mischung aus artistischen Meisterleistungen, einer grandiosen Showatmosphäre und einer gehörigen Portion Comedy. Kann ich uneingeschränkt empfehlen!

Flic Flac sind noch bis zum 24. Mai in Frankfurt.

Wann ist das Leben eines amerikanischen Soldaten am höchsten gefährdet? Wenn er im Irak stationiert ist? Oder in Afghanistan?

Weder noch.
Die Antwort lautet: Wenn er heimgekehrt ist.

Im Irak starben im gesamten letzten Jahr 149 Soldaten.
In Afghanistan waren es 104.

In den USA selbst dagegen begingen im gleichen Zeitraum 18 Kriegsveteranen Selbstmord.

Pro Tag.

[armytimes.com]

Frauenfußball at it’s best: Heute standen sich im Stadion am Brentanobad die ewigen Rivalen FFC Frankfurt, aktuell Tabellendritter, und Turbine Potsdam, Tabellenführer und amtierender Deutscher Meister, gegenüber. Das strahlend schöne Wetter und die zu erwartenden neunzig hochklassigen Minuten sorgten für einen nie dagewesenen Andrang. Schon eine halbe Stunde vor Spielbeginn ging auf der Zubringerstraße Ludwig-Landmann-Straße nichts mehr.

Für viele Zuschauer sorgte auch eine Aktion der Stadt Frankfurt. Diese hatte, quasi als Mobilisierungsvorbereitung auf die WM im nächsten Jahr, eintausend Karten an städtische Mitarbeiter vergeben, die in einheitlichen, FFC-roten Shirts aufliefen und im Stadion nicht zu übersehen war.

Gefühlt war das Stadion so voll wie noch nie, und die Bekanntgabe der Zuschauerzahl zur Halbzeit sollte das bestätigen. 4320 Leute hatten den Weg zu diesem Bundesligaspiel gefunden. Das ist neuer Rekord in der 1. Frauenfußball Bundesliga.

Zum Spiel selbst: Realistisch hatte man nicht mit einem Sieg Frankfurts rechnen dürfen. Dazu waren die Turbinen diese Saison zu stark. Präziser gesagt: Turbine Potsdam hatte bislang noch kein einziges Spiel verloren, Frankfurt sich dagegen selbst gegen Außenseiter diverse Ausrutscher geleistet.

Aber erstens kommt es anders…

Die erste Halbzeit beschränkte sich auf gegenseitiges Abtasten, hochkarätige Chancen boten sich keiner Seite. Doch kurz vor Ende derselbigen ein herber Dämpfer für die Damen in blau: Gelb-rote Karte für Keßler wegen Torschusses, obgleich das Spiel wegen Abseits schon abgepfiffen war. Sicherlich eine harte Entscheidung, aber regelkonform.

Verwunderlich nur, was Potsdams Trainer Schröder nach dem Spiel zu dieser Thematik zum Besten gab (hier nachzuhören):

Wenn man hier großspurig sagt, wir haben ein Stadion mit 4500 Zuschauern, dann muss man auch davon ausgehen, daß die Zuschauer so laut sind, daß eine Spielerin manchmal gar nicht hört, ob abgepfiffen ist.

Das mit dem “großspurig” versteh ich erstmal überhaupt nicht, aber die Logik, daß man einer Spielerin bei vielen Zuschauern nicht zumuten kann, auf das zu hören, was unmittelbar um sie herum passiert, ist schon recht krude. In Stadien mit 50.000 Leuten klappt es ja auch mit einem einfachen Pfiff des Schiedsrichters, Nebelhörner hat da noch niemand verlangt.

Egal, Potsdam kam nach der Pause zu zehnt auf den Platz, was aber wenig später Lira B. nicht daran hinderte, mit einer – zugegebenermaßen – beeindruckenden Sololeistung auf das Frankfurter Tor zuzustürmen und den Ball an Nadine Angerer vorbei ins Netz zu pfeffern. 0:1.

In der folgenden halben Stunde bestimmte wieder Frankfurt das Geschehen. Alles wurde nach vorne geworfen, die Chancen kamen fast im Minutentakt, aber ein Tor wollte nicht fallen. Kein Zuschauer, der sich nicht verzweifelt die Haare raufte, als selbst Birgit Prinz einen Kopfball nur an die Latte setzte.

Es blieb Ariane Hingst vorbehalten, die Massen zu erlösen. In der 86. Minute lupfte sie eine Hereingabe von Kerstin Garefrekes über die bis dahin grandios und nahezu fehlerfrei spielende Potsdamer Torhüterin Anna Felicitas Sarholz. 1:1.

Das schien es gewesen zu sein. Doch Turbine schien sich vorgenommen zu haben, sich das Leben selbst schwer zu machen. Erst die rote Karte… und schließlich, bereits in der Nachspielzeit, ein völlig unnötiges Foul im Potsdamer Strafraum. Elfmeter, Prinz versenkt sicher, 2:1 – und dann war Schluss.

Turbine Potsdam kann diese Niederlage locker verschmerzen. Sie führen die Tabelle komfortabel an, und ihnen ist die Meisterschaft eigentlich nur noch rechnerisch zu nehmen. Für die Frankfurterinnen jedoch könnten die 3 Punkte noch wichtig werden im Kampf um die Teilnahme an der Champions League, obgleich dies nur funktioniert, wenn der FCR Duisburg in seinen verbleibenden Spielen patzt. Auch nicht gerade wahrscheinlich.

Erwähnenswert noch, daß man nach dem Abpfiff, als die Massen Richtung Ausgang strömten, hörte, wie viele der rotgekleideten Stadtmitarbeiter begeistert waren. Die 1000-Karten-Aktion hat natürlich nicht nur eingefleischte Frauenfußballfans erwischt, sondern auch Neulinge. “So spannend hätt’ ich mir das nicht vorgestellt”, hörte ich einen sagen. Na also. Wenn das mal kein Erfolg ist und gutes für 2011 hoffen lässt? Und vielleicht verirrt sich der eine oder andere Beamte in Zukunft öfters ins Brentanostadion?

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »