In diversen Medien (taz, SPON) wird momentan vom Fall Jannine Menger-Hamilton berichtet. Die junge Frau ist Tochter eines Briten und einer Italienerin. Aufgewachsen ist sie in Deutschland, sie lebt in Hannover.
Menger-Hamilton möchte nun Deutsche werden. Das Problem: Für den niedersächsischen Verfassungsschutz ist sie in der falschen Partei. Nämlich in der Die Linke. Und dort auch noch aktiv, als Pressesprecherin im Landtag.
Das geht nicht, sagt das Land, und lehnt ihren Antrag ab.
Ja, mit sowas kennt er sich aus, der deutsche Beamte. Deutscher darf nur werden, wer die entsprechende rechte Gesinnung hat. Immerhin, das Land Niedersachsen hat von Menger-Hamilton keinen Ariernachweis verlangt. Ist doch schon mal ein Fortschritt.
In Berlin sind im letzten Jahr ca. 300 Autos abgefackelt worden. Mit Hamburg, einer weiteren Hochburg dieser Aktionen, sind es zusammen vielleicht 500 Autos.
Ist das viel?
Nunja. In Frankreich brannten 1137 Autos. Und zwar allein in der Neujahrsnacht.
Insgesamt etwa 40.000 (in Worten: vierzigtausend!) Autos haben sich im 2009 in Frankreich in Rauch aufgelöst.
Und was machen die Deutschen, anstatt sich daran ein Beispiel zu nehmen? Sie erfinden die teure Abwrackprämie.
Der Chef des größten Umweltverschmutzerlandes der Erde kann nicht länger bei einer Konferenz zur Rettung des Klimas bleiben, weil das Wetter so schlecht ist und zum Abflug zwingt…
Ich will ins Irrenhaus. Ist unter Garantie normaler als das, was man die letzten Tage in Kopenhagen bewundern durfte.
Schaut es euch ganz genau an. Die vollen neun Minuten.
Wie unschwer zu erkennen, sind das aktuelle Aufnahmen aus Kopenhagen, von den Demonstrationen im Umfeld des sogenannten Klima-Gipfels. Dort versammeln sich tausende von Menschen, um zu demonstrieren, gegen die Fortführung von Umweltzerstörung, für eine strikte Klimapolitik der Länder dieser Erde.
Die Menschen ziehen friedlich durch die Straßen oder sitzen am Boden, um ihrem Willen nach einer besseren, auch für unsere Kinder lebenswerten Welt Ausdruck zu verleihen. Eigentlich ein Wunsch, der jedem Menschen eine Selbstverständlichkeit sein sollte, der nicht nur an sich denkt, sondern auch an die, die nach ihm kommen.
Und nun schaut es euch an, wie der Staatsapparat darauf reagiert. Die Polizeihorden gehen hier nicht auf einen gewalttätigen “schwarzen Block” los, nein.
Menschen, die einfach nur auf der Straße sitzen, wird der Knüppel übergezogen.
Frauen, die sich bereits schreiend am Boden winden, bekommen noch mal eins über.
Mit sadistischer Freude wird Leuten in Sitzblockaden Pfefferspray direkt in die Augen gesprüht.
Erhobene Hände, das Zeichen dafür, daß man sich ergibt, wird ignoriert. Wieder der Knüppel.
Entsetzen und Hass. Das lösen diese Bilder bei mir aus.
Entsetzen darüber, daß solche Vorkommnisse mitten in Europa allmählich zum Normalfall werden (Andere Beispiele gefällig? Siehe hier, hier und hier). So etwas erwartet man von autoritären Regimen, aber nicht im zivilisierten Europa. Eigentlich. Wo ist noch der Unterschied zu den Aufnahmen der prügelnden Basidsch-Milizen nach den Wahlen im Iran? Hier wie dort wird gerechtfertigter Protest von Menschen in übelster, überzogener und menschenverachtender Weise niedergeschlagen, einfach weil er den Mächtigen nicht in den Kram passt.
Völliger Quatsch, werden einige nun sagen, und den mittlerweile völlig ausgeleierten Spruch auspacken, den redblog in seinem Bericht über das Video zynisch formuliert hat:
[Zynismusmodus on] Natürlich sind diese Szen nicht mit denen aus Diktaturen vergleichbar, schließlich ist Dänemark eine Demokratie und das vorgehen der Polizei völlig rechtsstaatlich … [Zynismusmodus off]
Weil Dänemark, Deutschland oder andere westliche Länder sich selbst “Rechtsstaat” nennen, sind qua definition alle Aktionen der Polizei korrekt, unfehlbar und nicht in Frage zu stellen? Wer das ernsthaft glaubt, sollte vielleicht nochmal in sich gehen. Oder alternativ direkt in die Klapse.
Entsetzen auch darüber, mit welcher Brutalität die Polizei gegen Wehrlose vorgeht. Nochmal: Das Video zeigt in aller Deutlichkeit, daß auf Menschen, die sich ergeben haben, mit dem Knüppel eingedroschen wird. Auf Menschen, die am Boden liegen.
Bei manchen Tieren gibt es eine Beisshemmung. Darüber verfügen viele Polizisten offenbar nicht.
Bei so einer Vorgehensweise, wenn man jemanden, der bereits am Boden liegt, wehrlos, hilflos, noch weiter gegen den Kopf tritt, gehen wir davon aus, dass derjenige die Möglichkeit erkennt, dass sein Opfer zu Tode kommen wird und sich mit diesem Ergebnis jedenfalls abfindet.
So hatte sich ein Staatsanwalt nach den Ereignissen in der Münchner S-Bahn geäußert, als Dominik Brunner von zwei Jugendlichen zu Tode getreten wurde. Alle Verantwortlichen in der deutschen Politik äußerten nach diesen Vorkommnissen ihre Fassungslosigkeit darüber, daß selbst dann noch Gewalt angewandt wurde, als Brunner schon hilflos am Boden am Boden lag.
Die Rahmenbedingungen und die Folgen des Brunner-Falls einerseits und der Kopenhagener Polizeiexzesse andererseits sind zwar nicht vergleichbar. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, wieso in München bei brutaler Gewalt gegen einen Wehrlosen von einem Verfall der grundlegendsten Werte des menschlichen Zusammenlebens gesprochen wird, man der dänischen Polizei aber dieses durchgehen lässt.
Und Hass und Abscheu richten sich auf die beteiligten Polizisten persönlich. Wie kann man nur? Es ist schon schlimm genug, daß man sich von den Mächtigen für ihre Ziele derart instrumentalisieren lässt und sich dafür zur Verfügung stellt, die aufschreienden Völker dieser Erde mundtot zu machen. Aber dann auch noch freiwillig in vorderster Front auf die Mitmenschen einschlagen, die offenbar im Gegensatz zu dem polizeibehelmten Kopf über soviel Grips verfügen, daß sie nicht nur bis zur nächsten Gehaltszahlung denken sondern auch an die kommenden Generationen?
Ich höre schon wieder das Geblubber, “es wäre halt ihr Job”. Bullshit, sage ich dazu nur. Jeder einzelne Polizist hat es selbst in der Hand, wie er sich verhält. Es gibt Aufnahmen von Sitzblockaden bei Castor-Transporten, die zeigen, das es auch anders geht: Größtenteils vernünftig und ohne überflüssige Gewalt lösen da Polizeikräfte die Versammlungen auf. Die Menschen werden einzeln angesprochen, ob sie freiwillig aufstehen möchten, verneinen sie, werden sie weggetragen. Keine Knüppel, kein Geschrei, kein Pfefferspray. (Das soll nicht heißen, daß alle Aktionen bei Castor-Transporten seitens der Polizei in Ordnung sind! Es gibt auch ganz andere Videos.)
Gegenüber solchen Polizisten, die ruhiges Blut bewahren, empfinde ich dann auch keine Wut. Höchstens Enttäuschung darüber, daß sie ihre persönlichen Ziele (Job behalten! Keinen Ärger riskieren!) über -- um mal wieder auf Kopenhagen zurückzukommen -- einen Kurswechsel in der Klimapolitik stellen. Offenbar können diese Leute ihren Nachwuchs nicht sonderlich gut leiden.
Das Problem der Polizeiexzesse wäre ja keines, wenn sie denn im Nachhinein aufgeklärt würden. Schwarze Schafe gibt es überall, diese banale Wahrheit trifft auch auf die Polizei zu.
Leider ist es bei den Polizeikräften dann aber nicht so, daß gegen diese (hoffentlich!) Minderheiten vorgegangen wird. Das Gegenteil ist der Fall: Ein falschverstandener Korpsgeist schützt sie (aktuell berichtet der SPIEGEL über dieses Phänomen). Und somit ist die gesamte Polizei dann doch wieder ein einziger großer Block, der bei solchen Veranstaltungen regelmäßig die übergeordneten Interessen der Völker (Umwelt, Klima, Atommülllagerung) mit Füßen tritt und sich aus falsch verstandenem Pflichtgefühl gegen die Mitmenschen wendet.
Würde sie sich auf das konzentrieren, was man im Allgemeinen unter Polizeiaufgaben versteht -- wirkliche Kriminalität bekämpfen -- dann würde sich die Akzeptanz und Beliebtheit der Polizei ganz von allein verbessern, und die Polizeigewerkschaft müsste sich nicht mehr beklagen, daß die Aggression gegenüber Polizisten immer weiter zunehme.
“Aber die Polizei handelt nun mal nach dem Gesetz. Es kann doch nicht jeder Polizist selbst entscheiden, was richtig und was falsch ist!” (Gern gehörtes Gegen”argument”).
Kein Polizist soll sich sein persönliches Gesetzbüchlein ausdenken. Das verlange ich nicht. Aber jeder sollte die großen Vorgaben der Gesetze mit seinem persönlichen Wertegerüst abstimmen. Denn was sagt denn sonst ein Polizist über sich, wenn er ausschließlich nach obigem Satz agiert, und blind nach dem Gesetzestext handelt? Das würde besagen, daß im Gesetz beliebiges drin stehen könnte, er würde danach handeln.
Morgen kommt eine neue Regierung an die Macht, die ins Gesetz schreibt, daß Schwarze nach Belieben vermöbelt werden dürfen. Der brave nur-Gesetz-Polizist würde danach handeln.
Dann doch lieber Polizisten mit starkem Rückgrat, die sagen: Das Gesetz ist Bullshit. Dem Schwarzen, der zusammengeschlagen wird, helfe ich dennoch. Atommüll, der tausende Jahre strahlt, ist nachfolgenden Generationen nicht aufzubürden, für diesen Castor-Transport räume ich nicht den Weg frei. Und wenn Menschen ihre Wut über kurzsichtige Klimapolitik in die Nacht rufen, dann trete ich zur Seite, lasse sie durch, marschiere mit ihnen zum Konferenzort und hoffe, wie alle Menschen hoffen sollten, daß die geballte Wut und der Schrei der Völker den Mächtigen solche Angst einjagt, daß sie am Ende doch klein beigeben.
SPIEGEL ONLINE zitiert eine britische Studie, welche untersucht hat, welche Berufsgruppen zum Wohlstand einer Gesellschaft beitragen. Wer ist “wichtiger”, die einfache Reinigungskraft oder der geschniegelte Banker?
Man kann es sich denken, oder?
Banker und Steuerberater sind danach das schlimmste Pack. Jede Vermögenseinheit, die diese verdienen, geht der Gesellschaft verloren. Im Gegensatz zu beispielsweise Kinderbetreuern oder Müllmännern.
Leute, das wundert nicht wirklich. Das hat Volker Pispers schon in seinem Programm von 2004 gehabt!
Und irgendwie muss ich dabei an diese kleine Episode aus Per Anhalter durch die Galaxis denken… an das Schiff der Werbefachleute, Marketingstrategen und Telefondesinfizierer:
“Die Idee war, daß in das erste Raumschiff, die Arche A, all die genialen Führungspersönlichkeiten kommen sollten, die Wissenschaftler, die bedeutenden Künstler, verstehen Sie, alle die großen Macher; und ins dritte Schiff, die Arche C, kamen alle Leute, die die ganze Arbeit machen, die die Sachen tun und die Dinge machen; und schließlich in die Arche B -- das sind wir -- kamen alle übrigen, die Mittelsmänner und Agenten, verstehen Sie?”
Er lächelte sie glücklich an.
“Und wir wurden als erste losgeschickt”, schloß er und summte eine kleine Badewannenmelodie.
Ich wundere mich schon ein wenig über die Schweizer und ihre Abstimmung gegen Minarette. Die Eidgenossen nehmen offenbar ihre eigenen Regeln nicht mehr ernst. Folgendes Schild fand ich bei meinem letzten Besuch im Alpenländle:
Die Gesinnung von 57,5% der Schweizer scheint sich da nicht dran zu halten.
Vergangenen Freitag verschlug es mich per ICE nach Süden. Zwei Reihen weiter saß ein Pärchen, offenbar auf dem Weg in den Urlaub. SIE verlieh ihrer Freude über die nächsten Tage lautstark Ausdruck (und das in einem Wagen, der als Ruhezone ausgewiesen war, aber das nur nebenbei).
Etwas trübte jedoch ihre Stimmung.
“Früher, da fing der Urlaub an mit Geld wechseln. Da hatte man noch wirklich das Gefühl, in die Fremde zu fahren. Und heute? Überall dieser Euro, alles so einheitlich. Irgendwann wird es so weit kommen, daß es nur noch eine Sprache in Europa gibt. Furchtbar!”
Ja, in der Tat. Einfach mal so nach Frankreich, Österreich oder in die Niederlande fahren zu können, ohne Geld zu wechseln, brrrr. Ein Verlassen des Staatsgebietes muss gefälligst sorgfältig geplant werden. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder einfach mal so ins Ausland fahren kann?
Früher konnte man wenigstens noch beim Einkaufen im Urlaub seine Kopfrechenfähigkeiten trainieren. Durch drei, durch neun, mal eins komma vier… Und heute? Diese junge, PISA-geschädigte Generation, die “DM” nur noch als Drogeriekette kennt, steht im Algarve-Urlaub im Supermarkt und sieht die gleichen Preisschilder wie daheim. Da verkümmert das Gehirn doch!
Nicht zu vergessen das Tauschstuben-Erlebnis! In irgendeinem versifften Räumchen dem schwitzenden Südländer ein paar Scheine hinzublättern und dank eines absurd überzogenen Wechselkurses viel zu wenig Lira, Peseten oder sonstiges Spielgeld zurückzubekommen – da konnte man glücklich wieder auf die Straße raustreten und sah seine liebgewonnenen Vorurteile bestätigt, daß es nur daheim ordentlich, gesittet und ehrlich zugeht und diese ganzen gebräunten Kerle vielleicht gut aussehen, aber im Grunde alle Ganoven sind.
Eine einheitliche Sprache nun – Was für eine Horrorvorstellung! Menschen, die sich unterhalten können, die sich gegenseitig verstehen! Wo bleibt denn da die Abgrenzung? Wir und die, so muss es sein! Alles andere führt ins Chaos, das ist doch hoffentlich jedem klar.
Was für ein Grund sollte es denn überhaupt geben, sich mit Leuten aus anderen Ländern zu unterhalten? Im Urlaub ist man bislang doch gut mit ein paar Brocken aus dem Langenscheidt ausgekommen (und eigentlich kann man doch erwarten, daß die ein bißchen deutsch können, schließlich bringen wir ihnen unser sauerverdientes Geld, oder?).
Und ansonsten? Dieses ganze Geschwafel von einer globalisierten Welt, von globalen Problemen, die kein Land allein lösen könne, das ist doch alles Bullshit. Jeder kehre erstmal vor seiner eigenen Tür.
Mir vorzustellen, daß man in Stockholm, Berlin, Paris und Lissabon die gleiche Sprache redet – grauenhaft. Schlimm genug, daß ich mit Bayern, Schwaben, Sachsen und dem restlichen Pack einen Zungenschlag teile. Ist mir schon zu viel. Wir sollten uns wieder auf die gute alte Zeit besinnen. Jedem Dorf seinen eigenen Dialekt, das Nachbardorf ist bereits Ausland. Darüber hinaus will ich eh nicht denken, denn die Welt ist böse, unheimlich und macht mir Angst.