Schock
Oh Mann, Leute, sowas dürft ihr doch mit mir am späten Abend nicht machen…

Als ich dann “Thürigen” im Teaser gelesen habe, war das Adrenalin schon unterwegs…
Oh Mann, Leute, sowas dürft ihr doch mit mir am späten Abend nicht machen…

Als ich dann “Thürigen” im Teaser gelesen habe, war das Adrenalin schon unterwegs…
Wenn dann Guido Außenminister ist, kann er sich ja dann auch um den Bekanntheitsgrad seiner Partei im Ausland kümmern. Denn zumindest bei CNN weiß man noch nicht, wie die gelbe Truppe heißt:

Die Wähler haben in der Geschichte der Bundesrepublik gezeigt, daß sie etwas politisches verändern können, indem sie nämlich lange für eine Partei gestimmt haben, von der alle gesagt haben, die wird nie in den Bundestag oder in die Landtage kommen, und das [waren] die Grünen. Und dadurch daß aber die Wähler plötzlich die Grünen gewählt haben, hat sich das gesamte politische Bild geändert, die Parteien haben sich geändert und unsere Landschaft hat sich verändert. Also sage ich: Wenn ich ein demokratisch denkender Mensch bin, dann gehe ich wählen und wähle irgendjemand, der möglicherweise die etablierten Parteien ärgert!
Ich mache jetzt etwas Kabarettistisches, ich sage, die Piratenpartei bekommt 5.1 Prozent. Stellen sie sich das mal vor! Was für ein Entsetzen bei den etablierten Parteien! Aber dann haben die Wähler wirklich was bewirkt!
(Ulrich Wickert in der ZDF Sendung “Markus Lanz” vom 4.8.2009)
Israel hat etwas gegen schwedische Pressefreiheit. Nun gut. Man könnte ja über die Vorwürfe reden. Aber wenn eine israelische Zeitung in dem Zusammenhang von “blondem Rassismus” schwadroniert, dann hat sie sich selbst aus dem Diskurs katapultiert.
Rassische Diskriminierung versucht typischerweise auf (…) phänotypische (…) Unterschiede zu verweisen.
(Quelle)
Sowas wie die Haarfarbe, zum Beispiel.
An der Bundestagswahl Ende September nehmen laut Entscheidung des Bundeswahlleiters 27 Parteien teil. Von diesen sind momentan gerade mal sechs im aktuellen Bundestag in Fraktionsstärke vertreten: CDU, CSU, SPD, Grüne, FDP und die Linke. Nach aktuellen Umfragen ist es auch unstrittig, daß jede von ihnen erneut den Einzug schafft – sogar die SPD dürfte es in den verbleibenden Wochen nicht schaffen, zwanzig Prozentpunkte an Wählern zu vergraulen.
Die verbleibenden 21 Parteien werden es sehr schwer haben, in das Reichtagsgebäude einzuziehen. Man könnte auch sagen, es wäre eine Sensation, schaffte es eine Gruppierung.
Parteien, die unter der 5%-Hürde bleiben, werden in aller Regel in der politischen Berichterstattung der Mainstream-Medien ignoriert. Zu Recht. Es geht immerhin um die Frage, welche Konstellation letztendlich dieses Land regiert. Wen interessiert es da schon, ob die “Rentnerinnen und Rentner Partei” nun bei vier oder fünf Promille in den Umfragen liegt? (Bei vier.) Wen interessiert es, wie viele Mitglieder die “Allianz der Mitte” hat? (Fünfhundert).
Eben.
Somit könnte es mich einfach nur freuen, wie sich die Berichterstattung über die Piratenpartei explosionsartig vermehrt. Artikel generieren Aufmerksamkeit. Und Artikel in Offline-Medien generieren – hoffentlich! – Aufmerksamkeit bei Offline-Bürgern. Soweit ganz schön.
Es ärgert mich jedoch maßlos, wenn Journalisten etablierter Medien ihre (nach wie vor leider große) Publikationsmacht ausnutzen, um herabzuwürdigen, zu diffamieren und geifernd um sich zu schlagen, gegen ein Phänomen, das offensichtlich nicht verstanden wird.
So geschehen heute durch das Hamburger Abendblatt. Der stellvertretende Chefredakteur dieser Axel-Springer-Postille, Karl Günther Barth, hat in einem heutigen Kommentar mal wieder bewiesen, welch Geistes Kind die Oberen dieses LügenMedienkonzerns sind:
Grenzenlose Freiheit gibt es nur noch im Internet. (…) Nazi-Propaganda übelster Art, in denen der Holocaust geleugnet und gegen Juden gehetzt wird, wird über ausländische Websites ins Netz gestellt. (…) Und wenn Familienministerin Ursula von der Leyen schärfer gegen Kinderpornografie vorgehen will, wird sie gleich als “Zensurla” verspottet. Gerne auch von der Piraten-Partei, die sich als Kämpferin für die Freiheit des Internets versteht. 0,9 Prozent bekam sie bei der Europa-Wahl, hat seitdem noch größeren Zulauf. Bei ihr fand der Ex-SPD-Politiker Tauss Unterschlupf, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt. Gut, dass die Gesundheitsbehörden bei Schweinegrippe wenigstens zwei Meter Abstand gegenüber Infizierten empfiehlt.
(Quelle)
Das ist an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten. Vor allem gegenüber Jörg Tauss. Aber gut, das Axel-Springer-Schmierfinken Journalisten ein Problem mit der Unschuldsvermutung im Rechtsstaat Deutschland haben, ist ja hinreichend bekannt.
Aber auch die Diffamierung der Piratenpartei ist so nicht hinzunehmen. Was haben die Forderungen der Partei mit “Nazi-Propaganda” und Holocaust-Leugnungen zu tun? Was soll hier dem Leser suggeriert werden? Nicht nur die falsche Titulierung der Bundesfamilienministerin als “Zensurla” (und nicht, wie es korrekt wäre, als “Zensursula”) zeigt, daß Barth von der Materie keine Ahnung hat. Dumpfe Ressentiments werden hier bedient, mehr nicht.
Wie formuliert es Jörg Tauss in Twitter:
Abendblatt verliert völlig die Fassung
Das beschreibt es ziemlich gut. Aber warum ausgerechnet im Zusammenhang mit der Piratenpartei? Wieso wird nicht auf die menschenverachtende NPD geschimpft? Wieso echauffiert sich Barth nicht über die Thesen der DKP oder der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands, deren Wahlprogramme bei jeden stramm Konservativen Bluthochdruck und Atemnot auslösen müssten?
Nun, ganz einfach. Getroffene Hunde bellen.
Unwichtiges wird ignoriert. Weiterhin. Solche Ausraster sind ein Zeichen von Panik, von nackter Angst, daß es die Piraten eventuell doch schaffen könnten, daß es eventuell doch langsam, aber sicher in eine gesellschaftliche Richtung geht, die dem kleinkarierten Bürgertum und seinen Fahnenträgern missfallen könnten.
Sie haben Furcht. Gut so.
Noch 43 Tage bis zur Wahl.
Das heute journal hat gestern Abend mit einer Meldung über Sarah aufgemacht, einem kleinen Mädchen, daß verhungert ist. Parallel dazu ein Hinweis auf das Urteil im Fall Robin, ebenfalls ein verhungertes Kind. Laut Claus Kleber sei das nur der Beginn einer traurigen Liste, die immer länger und länger würde.
Alles furchtbare Ereignisse, keine Frage.
Trotzdem stellt sich bei mir ein komisches Gefühl ein, weil mir partout nicht einfallen will, wann das heute journal zuletzt eine Meldung über die 4,8 Millionen Kinder gebracht hat, die im südlichen Afrika verhungern. Jedes Jahr.
Das Ende der Glühbirne steht vor der Tür.
Endlich, sagen die Einen.
Furchtbar, sagen die geistig Minderbemittelten.

ZDF heute, 3.8.09
Dieser Herr, seines Zeichens Lampendesigner, hat sich in den heutigen ZDF Nachrichten mit seinem Plädoyer für das ach so “warme” Licht der Glühbirne sauber in eine der beiden Gruppen einsortiert.
Für mich wesentlich ist das Wohlbefinden der Menschen.
Fragt sich nur, an welche Menschen er da denkt.
Vielleicht an die Menschen in Tuvalu, dessen Heimat aufgrund der CO2 Ausstoßes der Welt in den kommenden Jahrzehnten komplett überschwemmt werden wird? An die Menschen in Zentralafrika, deren Äcker vertrocknen, weil die Wüsten nach ihnen greifen? An die Menschen in Bangladesh, die verzweifelt zusehen müsssen, wie Überschwemmungen immer weiter ins Landesinnere vorstoßen und ihre Häuser, ihre Felder, ihre gesamte Lebensgrundlage zerstören?
Hm?
Zum Thema Killerspiele, vom Geschäftsführer der USK (also jener Truppe, die immer die hübschen roten Zeichen auf DVDs drucken lässt, welche einen besonders lustigen Abend versprechen):
Frage: Warum kommt es nach Verbrechen von Jugendlichen ohne große Umschweife zu Verbotsforderungen von Computerspielen?Antwort: Solche Taten werden eigentlich immer im Zeitgeist inszeniert. In Goethes Zeit hatte man auch eine Verbotsdiskussion. Damals war man der Meinung, Goethes Buch “Die Leiden des jungen Werthers” stifte junge Männer zum Selbstmord an. Der Zusammenhang ist, dass die Delinquenten aus dem Zeitgeist entsprechende Elemente entnehmen, z.B. auch dass sie bei der Tat etwas Bestimmtes aus dem Bereich Film oder Musik anziehen.
Doch ich denke, dass eine monokausale Erklärung nicht möglich ist. Derjenige, der einen Zusammenhang zwischen dem Spiel Counter Strike und der Tatsache, dass jemand Amok läuft herstellt, müsste eigentlich viel zu viele verdächtigen, die nicht auf die Idee kommen. Wer Erklärungen sucht, muss auf andere soziale und sonstige Faktoren zurückgreifen. Die Öffentlichkeit nimmt aber die Erklärungen, die am plausibelsten sind.
(Quelle: “Ursachen und Wirkung werden vertauscht”, Telepolis)