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Irgendwas regt mich immer auf

Archiv für das Tag 'piratenpartei'

Hochrechnung von 20.15 Uhr:

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Wenn es dabei bleibt, sind die Piraten mit 1.9% aus dem Stand die stärkste Gruppierung der Parteien geworden, die es nicht in den Bundestag geschafft haben. Herzlichen Glückwunsch!

Übrigens: Die Grünen erreichten bei ihrer ersten Bundestagswahl 1.5%. Die Entwicklung in den Folgejahren kennt jeder.

Wahlempfehlung

Wehende Piratenpartei-Flagge

Die Piraten. Kurz und schmerzlos.

Ich bin es leid, immer das “kleinere Übel” zu wählen. Ich bin es leid, taktisch vorzugehen. Diesmal bekommt meine Stimme die Partei, hinter deren Inhalte ich wirklich stehe.

Mag sein, daß meine Stimme am Ende nichts an der Zusammensetzung des Bundestages ändern wird. Aber deswegen ist eine Stimme für die Piraten noch lange keine “verlorene” oder gar “weggeworfene” Stimme. Jedes Häkchen, daß nicht bei den großen Parteien gemacht wird, schmerzt diese, und sei es nur wegen der Gelder, die ihnen damit durch die Lappen gegangen sind.

Morgen Abend erreichen die Piraten aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die 5%-Hürde. Ich tippe auf drei. Drei Prozent der Bürger, die für Bürgerrechte, digitale Freiheit und gegen Überwachungswahn stimmen. Das wäre schon was.

U18-Wahl

Bei der U18-Wahl hat die Piratenpartei einen sensationellen Stimmenanteil von bundesweit 8,7 Prozent eingefahren. Respekt. Am höchsten lag das Ergebnis in Thüringen (14%), am niedrigsten im Saarland (5%). In Sachsen tritt die Partei nicht an.

Für die Piratenpartei ist das ein sehr gutes Ergebnis, und es macht Hoffnung für die Bundestagswahl am kommenden Wochenende. Aber auch in Bezug auf die anderen Parteien ist das Ergebnis spannend.

So finde ich zum Beispiel hochinteressant, daß im Saarland die Linke auf gerade mal 4.8% kommt – in einem Bundesland, wo diese Partei es bei den kürzlich stattgefundenen regulären Wahlen auf über 21% geschafft hat! Keine rosigen Aussichten für die Linke. Stattdessen wählten übrigens 32% der Saarländer unter achtzehn Jahren die CDU, was mit Abstand das beste Ergebnis für die Konservativen im Vergleich mit den anderen Bundesländern darstellt.

Die Grünen sind in allen westlichen Bundesländern außer dem Saarland auf Platz eins oder zwei. In drei Bundesländern stellen sie die stärkste Fraktion. Ihr stärkstes Ergebnis holten sie mit 25% in Bremen; nimmt man nur die Flächenländer, ist es Schleswig-Holstein mit 24,6%.

Die unsägliche NPD schafft es in keinem westdeutschen Bundesland über die 5%-Hürde. Das ist beruhigend, zeigt es doch, daß offenbar im Westen keine neue Glatzengeneration heranwächst. Keine Entwarnung gibt es jedoch für vier der fünf ostdeutschen Bundesländer, wo die Braunen locker in den virtuellen U18-Landtag einziehen. Den Vogel abgeschossen haben sie in Sachsen, dort stimmten fast 13% für diese Deppen.

Die Knaller-Zahl zum Schluss kommt aber wiederum aus dem hohen Norden: Wer mir erklären kann, was 2,2% der jugendlichen Fischköppe aus Schleswig-Holstein dazu bewogen hat, die Rentnerpartei zu wählen, der sei herzlich eingeladen…

Fahnenmeer... on Twitpic

Herrliches Bild. Wäre gern dabeigewesen. :-)

[by tauss via twitpic]

Die Wähler haben in der Geschichte der Bundesrepublik gezeigt, daß sie etwas politisches verändern können, indem sie nämlich lange für eine Partei gestimmt haben, von der alle gesagt haben, die wird nie in den Bundestag oder in die Landtage kommen, und das [waren] die Grünen. Und dadurch daß aber die Wähler plötzlich die Grünen gewählt haben, hat sich das gesamte politische Bild geändert, die Parteien haben sich geändert und unsere Landschaft hat sich verändert. Also sage ich: Wenn ich ein demokratisch denkender Mensch bin, dann gehe ich wählen und wähle irgendjemand, der möglicherweise die etablierten Parteien ärgert!

Ich mache jetzt etwas Kabarettistisches, ich sage, die Piratenpartei bekommt 5.1 Prozent. Stellen sie sich das mal vor! Was für ein Entsetzen bei den etablierten Parteien! Aber dann haben die Wähler wirklich was bewirkt!

(Ulrich Wickert in der ZDF Sendung “Markus Lanz” vom 4.8.2009)